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Damit Patientinnen und Patienten den intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK) sicher erlernen und langfristig in ihren Alltag integrieren können, braucht es mehr als das passende Produkt, sagt die Pflegefachfrau (HF) und Urologietherapeutin Shanice Lüthold. Eine Schlüsselrolle kommt der Erstanleitung durch die Fachkraft zu. Gefragt sind dabei nicht nur Materialkompetenz, sondern auch eine strukturierte Wissensvermittlung, individuelle Begleitung und Menschlichkeit.
Der intermittierende Selbstkatheterismus (ISK) kann bei Betroffenen Autonomie, Lebensqualität und Freiheit im Alltag unterstützen. Verglichen mit der Dauerkatheterisierung beschreibt die aktuelle S2-Leitlinie „Management und Durchführung des IK bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes“1 darüber hinaus, dass der Einmalkatheter mit weniger langfristigen Komplikationen verbunden sein kann und als bevorzugte Methode der Blasenentleerung gilt, sofern er praktikabel durchführbar ist.1
Individuelle Wissensvermittlung
Für den ISK sind diverse Kathetervarianten mit unterschiedlichen Materialien verfügbar. Der Erfolg des ISK hängt jedoch nicht allein vom gewählten Katheter ab. Ebenso wichtig ist die Unterstützung beim Erlernen der Methode. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Erstanleitung durch qualifizierte Fachkräfte wie Shanice Lüthold von der schweizerischen Pro Uro AG. „Primäres Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, Barrieren abzubauen und Vertrauen zu stärken – immer genau auf den Patienten und seine individuellen Bedürfnisse abgestimmt“, so die Urologietherapeutin, die seit einem Unfall vor rund 16 Jahren selbst von einer neurogenen Blasenfunktionsstörung betroffen ist und den ISK anwendet. „Material, Anwendungstechnik, Mensch, Umfeld und Begleitung sind dabei die fünf Säulen eines zeitgemäßen ISK, wobei mein Fokus auf der Kombination von Materialkompetenz und Menschlichkeit liegt.“
Scham als Therapiebarriere
So kann ein Katheter, der nach den individuellen Bedürfnissen ausgewählt wurde, Komfort, Sicherheit und Selbstständigkeit sowie die Alltagstauglichkeit und die langfristige Umsetzung der Behandlungs- und Therapieziele unterstützen. „Das geeignete Material ist dasjenige, das am besten zum Menschen und seinem Alltag passt“, betont Shanice Lüthold. Zusammen mit der passenden Technik könne das dazu beitragen, ISK-Abbrüche zu verringern. Und da kommt der Mensch als zentrale Säule ins Spiel: „Meiner Erfahrung nach sind typische Gründe für einen ISK-Abbruch körperliches Unbehagen und Unwohlsein, aber auch Frustration, Überforderung und vor allem Scham“, berichtet Shanice Lüthold. „Scham ist meiner Meinung nach die größte Therapiebarriere und führt dazu, dass viele Betroffene ihre Beschwerden bagatellisieren und sich erst sehr spät Hilfe suchen.“
Eine essenzielle Rolle für eine gute ISK-Routine nimmt die Erstanleitung durch die Fachkraft ein.
Bild: Coloplast
Praxisnahe Schulungen unterstützen Fachkräfte dabei, ihr Wissen zu vertiefen und neue Erkenntnisse direkt umzusetzen.
Bild: Coloplast
Individuelle Begleitung
In der Praxis geht es für Shanice Lüthold bei der ISK-Erstanleitung sowie der anschließenden Begleitung vor allem darum, Scham und Unsicherheiten abzubauen, die Angst vor Fehlern zu nehmen und das für die Anwendung wichtige Wissen klar und verständlich zu vermitteln. Hilfreich seien dabei auch weiterführende Tools und Unterstützungsinstrumente, so Shanice Lüthold. Dazu gehören unter anderem Checklisten, Anleitungsvideos, Ratgeber und weitere Infomaterialien, mit denen die Fachkräfte die Betroffenen noch intensiver begleiten können. Hilfreich ist zudem der Blick auf die jeweils aktuellste Version der Leitlinie, die bei der Standardisierung von Prozessen unterstützt. Und nicht zuletzt bieten auch Veranstaltungen wie der Coloplast Praxisworkshop auf dem DKG-Kongress vom 27. bis 28. November 2026 in Würzburg weiteres wertvolles Know-how. „Fundiertes Wissen und ein hohes Maß an Menschlichkeit sind essenziell für alle ISK-Fachkräfte“, resümiert Shanice Lüthold. „Damit können sie sich noch gezielter auf das konzentrieren, was wirklich zählt – und das ist der Mensch.“

„Der Fokus beim zeitgemäßen ISK liegt auf der Kombination von Materialkompetenz und Menschlichkeit.“
Shanice Lüthold ist Pflegefachfrau (HF), Urologietherapeutin NDK, Präsidentin der Schweizerischen Interessengemeinschaft Urologiepflege (SIGUP) und Gründerin der Pro Uro AG im schweizerischen Alpnach. Als selbst Betroffene einer unfallbedingten neurogenen Blasenfunktionsstörung und ISK-Anwenderin hat sie sich auf die Begleitung von Menschen mit Inkontinenz und Blasenfunktionsstörungen spezialisiert und vereint dafür persönliche Erfahrung mit fachlicher Kompetenz. Zu ihren Schwerpunkten zählen die urologische Pflege, individuelle Beratung, die Organisation der Kontinenzversorgung sowie Schulungen und Weiterbildungen für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen.
Bild: privat
S2k-Leitlinie online finden
Die aktuelle S2k-Leitlinie „Management und Durchführung des IK bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes“ finden Sie hier.
Coloplast Praxisworkshop
Auf dem 37. Kongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft am 27. und 28. November 2026 in Würzburg findet ein Coloplast Praxisworkshop statt. Anmeldung und weitere Informationen finden Sie hier.
Coloplast ISK-Erstanleitung
Alles Wissenswerte rund um die ISK-Erstanleitung inklusive Anleitungsvideos, Ratgeber, weiterführender Informationen und Fortbildungen finden Sie hier.
Erscheinungszeitpunkt: September 2026
Redaktion: mk Medienmanufaktur GmbH