Wundinfektionen: Eine der häufigsten Ursachen für Wundheilungsstörungen  

Die häufigste Komplikation bei der Wundheilung ist die lokale Infektion, die im Einzelfall zu einer systemischen Infektion (Sepsis) führen kann. Bei einer infizierten Wunde liegt ein bakterielles Wachstum vor. Die Keimbesiedlung ist auf den Wirt übergegangen und führt dort zu einer immunologischen Reaktion.¹

Was ist eine Wundinfektion?

Eine Wunde gilt als infiziert, wenn Mikroorganismen vorhanden sind, die das lokale Gewebe schädigen und die Wundheilung verzögern.²

Die Fähigkeit des Mikroorganismus, eine Krankheit zu verursachen, wird durch seine Pathogenität beschrieben und wird an seinem Erfolg, verbunden mit der Suche eines anfälligen Wirts, dem Zugang zu einem geeigneten Zielgewebe und der Umgehung der Abwehrmechanismen des Wirts, gemessen, d.h. in Abhängigkeit von:

  • der Stärke des Immunsystems des/der Patient:in; und
  • der Menge und Virulenz der Krankheitserreger.

Faktoren, die den/die Patient:in schwächen, die Immunabwehr oder die Gewebedurchblutung beeinträchtigen, erhöhen das Risiko einer Infektion. Die Entwicklung einer Wundinfektion ist multifaktoriell und tritt ein, wenn die kumulativen Risikofaktoren das Abwehrsystem überwältigen.³

Stadien der Wundinfektion

Dies sind die einzelnen Stadien einer Wundinfektion⁴:

  1. Kontamination: Anheftung von Erregern & keine Wirtsreaktion
  2. Kolonisation: Vermehrung von Erregern & keine typische Wirtsreaktion (ggf. atypische Zeichen)
  3. Lokale Infektion: Klinisch manifeste Lokalreaktion & Wirtsreaktion mit typischen Entzündungszeichen
  4. Systemische Infektion: Systemische Reaktion & systemische Infektzeichen wie z.B. Fieber, Leukozytose, CRP

Zu den typischen Infektionszeichen einer Wunde zählen Rötung, Schwellung, Schmerzen und Überwärmung, häufig begleitet von einer Funktionseinschränkung sowie putrider Exsudation.

Daneben können atypische Zeichen auftreten: eine erhöhte Exsudation, eine Stagnation der Wundheilung, ein neuer oder zunehmender Geruch sowie neu auftretende oder stärker werdende Schmerzen. Ebenso weisen fragiles, leicht blutendes Granulationsgewebe und Hypergranulation auf eine Infektion hin.

Die beiden am häufigsten auftretenden Bakterienspezies in chronischen Wunden in Deutschland sind Staphylococcus aureus (Häufigkeit: 37-70 %) und Pseudomonas aeruginose (Häufigkeit: 17-39 %).⁴

Ein Biofilm ist eine Schleimschicht aus Mikroorganismen (z. B. Bakterien, Pilzen), die sich an Oberflächen anheften und dort in einer selbst produzierten Matrix aus extrazellulären Polymeren (v. a. Polysaccharide, Proteine, DNA) eingebettet sind.

Lokale und systemische Infektion

Hier findest du die klinischen Anzeichen und Symptome lokaler sowie systemischer Infektionen, auf die Du bei der Beurteilung der Wunde achten solltest.

Anzeichen einer lokalen Wundinfektion
  • erhöhter Schmerz
  • flächige Rötung
  • Schwellung (Ödeme)
  • lokale Überwärmung
  • erhöhtes Exsudataufkommen
  • verzögerte Wundheilung
  • Hypergranulation
  • abnormer Wundgeruch
  • epitheliale Taschenbildung
Lokale Infektion einer Wunde
Anzeichen einer systemischen Infektion
  • erhöhte flächige Rötung
  • Fieber
  • Abszess/Eiter
  • Wunddehiszenz
  • Zellulitis
  • Allgemeines Unwohlsein
  • Erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen
  • Lymphknotenentzündung
Systemisch infizierte Wunde

Hinweis: Bei infizierten Wunden sollte als Kausaltherapie zur Infektbekämpfung mindestens täglich eine Wundreinigung mit Lokalantiseptika oder Polyhexanider Wundspüllösung PHMB 0,02% oder 0,04% erfolgen.¹

Eine Wundheilung ist immer erst nach Beseitigung der Infektion möglich!